New Beginnings – oder: Aller Anfang ist schwer…

Zum Thema Neubeginn und dem Monatsthema „AWAKE“ teile ich meine persönliche Geschichte des beruflichen Neubeginns… Vor fast einem Jahr habe ich ebendiesen Neubeginn gewagt. Im Mai feiere ich mit meinem Unternehmen EINJÄHRIGES. Wow! Ich muss hier beim Schreiben einen Moment innehalten und schlucken. Hinter mir liegt eine sehr intensive Zeit. Mit Höhen und Tiefen. Mit Erfolgen und Rückschlägen. Mit viel innerer Arbeit. Und vielen Erkenntnissen.

Vor einem Jahr war ich gerade euphorisch dabei, alles für meinen Business Start vorzubereiten. Zu recherchieren über Toolanbieter, Farben, Möbel, Visitenkarten, und vieles mehr. Entscheidungen zu treffen. Zu gestalten. Vom Logo bis zum Studio. Eine Zeit des Aufbruchs. Des Neubeginns. Heute schaue ich auf mein Jahr zurück und bin eine andere Frau – gewachsen. Hinter mir liegt ein Jahr der Umbrüche, der Herausforderungen, der Verzweiflung und der Freuden.

Gründen ist in jedem Fall nichts für Feiglinge. Dabei habe ich mich zu Beginn nicht besonders mutig gefühlt. Auch, wenn viele Menschen in meinem Umfeld gesagt (oder auch nur gedacht) haben, ‚du bist ja mutig‘, ‚du traust dich was‘. Es hat sich einfach so richtig angefühlt und ich war bereit.

Ich hatte meinen Job gekündigt. Ein gut bezahlter und sicherer Job bei einer großen europäischen Bank als Leiterin der Betrugsprävention in einer deutschen Niederlassung. Ja, klingt toll. Allerdings war ich das nicht mehr. Schon eine ganze Weile, bevor ich es gemerkt habe. Und dann kam der Tag, an dem ich einen Schlussstrich zog, um mich selbstständig zu machen. Ich hatte während meines sehr intensiven Berufslebens unter Opferung des größten Teils meines Privatlebens drei Ausbildungen gemacht. Eine dreijährige Astrologie Ausbildung mit einem weiteren Jahr Fortbildung und Supervision, eine Ausbildung zur 5-Elemente Beraterin und Ernährung in der TCM sowie eine 100h Ayurvedic Breathwork Teacher Trainer Ausbildung. Und wer mich kennt, weiß, ich mache keine halben Sachen. Im Job nicht und in der Ausbildung nicht. Mein Mann ist geblieben (Danke an dieser Stelle an dich, mein Schatz! Auch, dass du mich in dieser Zeit geheiratet hast :). Meine Gesundheit kam in echte Schräglage.

Ich habe mir erstmal eine kleine Auszeit gegönnt, um mich zu sortieren. Ich war bereit. Allerdings wusste ich vor einem Jahr noch nicht, was mich erwarten würde. Was dieses Jahr bereithalten und mir abverlangen würde.

Ich arbeite jetzt weniger (also im Vergleich zu 80 Stunden davor) und flexibler. Kann meine Zeit gestalten, wie ich möchte und auch mal mit Pedro – unserem Hund – am Nachmittag eine große Runde im Wald drehen. Wenn ich Yoga und Breathwork unterrichte oder meine astrologischen Beratungen mache, dann bin ich in meinem Element. Das fühlt sich so gut an. Da bin ich Ich. Ich wusste gar nicht, dass Arbeit auch Energie geben kann – nicht nur ziehen. Einer meiner Magic Moments ist immer, wenn die Teilnehmenden meiner Klasse oder Events am Ende in Shavasana (Endentspannung) liegen und sich eine so wohlige Stille ausbreitet und ich den Raum noch für einen Moment halte, damit sich die Praxis in ihren Körpern entfalten kann. Ein so friedlicher Moment, das mir selbst beim Schreiben die Tränen kommen. Dieser Moment, ein „Danke, das hat mir gutgetan“ oder eine Beratung, die etwas bewegt hat in meiner/m Kund:in sind meine Bestätigung. Brauch ich die denn? JA!

Denn es gibt sie auch – die Kehrseite der Medaille. Und ich möchte mich nicht beklagen. Ich habe selbst gewählt und bin dankbar dafür. Allerdings sieht es von außen immer so einfach und toll aus. Die schöne Website, ein spannendes Instagram Profil, abwechslungsreiche Klassen und die Flexibilität eines Nachmittags draußen im Sonnenschein oder im Wald.

Niemand sieht, dass ich (wie viele andere Selbstständige) neben meinem Beruf als Yogalehrerin oder Astrologin auch die Putzfrau, die Buchhalterin, die Gärtnerin, Marketingleitung, die Assistentin, die Einkäuferin, die Köchin und die IT-Spezialistin bin. Ich verbringe also viel mehr Zeit mit anderen Dingen als mit meinen Hauptthemen. Und das ist manchmal sehr frustrierend. Besonders dann, wenn trotz viel Aufwand und Herzblut Kurse oder Events nicht gebucht werden oder Anfragen für Beratungen ausbleiben. Wenn Steuer und Sozialversicherung bezahlt werden will, der Monat aber ein schlechter war. Wenn große Entscheidungen anstehen und ich alleine damit bin. Die schlaflosen Nächte, wenn ich nicht weiß, wie es weiter geht. (DANKE an dieser Stelle an meinen Mann, der immer für meine Sorgen und Ängste da ist.).

Ich habe in diesem Jahr so viel in mir und mit mir bearbeitet. Durch mich und mein Tun gelernt… was ich brauche, was nicht geht für mich, wo meine Grenzen sind. Meine alten Muster und Glaubenssätze… angesehen, in die Tiefe gegangen, aufgelöst und wieder daran gearbeitet. Ein Jahr, das mir neue Menschen als Kund:innen, als Kooperationspartner:innen und Unterstützter:innen geschenkt hat, für die ich unfassbar dankbar bin. Ein Jahr, das mir viel über meine Freundschaften gezeigt hat. Und auch wie einsam, dass ‚man‘ sich fühlen kann.

Viele in meinem Umfeld verstehen nicht, dass selbstständig sein, kein Job ist… es ist zu Beginn ein „Baby“. Es ist eine Leidenschaft und es ist vor allem eine Existenz.

Eine wunderbare Frau aus meinem Netzwerk hat dazu etwas sehr Wichtiges geschrieben: Sie versteht nicht, warum wir Menschen in unserem Umfeld nicht mehr unterstützen, wenn sie sich selbstständig machen. Ja, verdammt! Warum rennen wir in große Fitnessstudios anstatt Yogalehrer:innen in unserem Bekanntenkreis eine Chance zu geben? Warum kaufen wir Kosmetikprodukte von Konzernen anstatt von lokalen Unternehmer:innen? Warum kaufen wir nicht in der Boutique unserer Freundin, sondern bei Fast-Fashion Konzernen? Warum rennen wir zu großen Lebensmittelketten anstatt den Bauern im Dorf zu unterstützen? Weil es bequemer ist. Weil es zu weit weg ist. Zu umständlich ist. Yes, I feel you. Und gerade deshalb an dieser Stelle ein riesengroßes Danke von Herzen für alle, die es trotzdem tun. Die einen kleinen Umweg nehmen. Ich kann euch sagen, es bedeutet viel.

Ein Unternehmen zu gründen und zu führen bedeutet für mich eine Achterbahnfahrt. Mit Höhen und Tiefen. Mit großen Freuden und Abgründen. Mit Glücksmomenten und Frust. Mit Vertrauen und Ängsten.

‚Aller Anfang ist schwer‘, heißt es immer… Wie wahr! Allerdings gehört auch den Mutigen die Welt. Und ich merke, dass meine Komfortzone immer größer wird – gedehnt wird mit jeder neuen Herausforderung. Besonders mein „Mutmuskel für Sichbarkeit“ – d.h. mich authentisch zu zeigen – wird immer trainierter. Als introvertierter und hochsensibler Mensch ist es nicht so einfach, sich der Welt selbstbewusst zu zeigen. Das macht Marketing und Sichtbarkeit zu einer meiner Key Challenges.

Gerade der Anfang ist schwer. Das kann ich euch sagen. Unternehmer:innen in meinem Umfeld haben mir von Anfang an gesagt, ‚gibt dir zwei Jahre, Christina‘. Das erste habe ich fast geschafft. Mal sehen, wie es weiter geht.

Ich habe viel gelernt im letzten Jahr auf dieser abenteuerlichen Reise der Selbstständigkeit. Als Unternehmerin. Und ich lerne weiter. Besonders über mich.

Wichtig für mich ist, mir auch immer wieder zu erlauben, den „Pausenknopf“ zu drücken. Auszusteigen. Aufzutanken. Innezuhalten. In die Stille kommen. Zu atmen. Und das kann ich allen mitgeben für eure Herausforderungen und Neuanfänge.

 

veröffentlicht am 19.03.2026

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